Dieser Workshop entstand aus folgendem Anlass: Zuhause wollte ich eine Konsole ins Internet bringen, allerdings gab es ein Problem: Das Gerät verfügt nur über einen LAN-Port, ein WLAN-Dongle wäre optional, aber beinahe schon unverschämt teuer. Als günstige Alternative stellte sich ein Linksys-Router WRT54G mitsamt der angepassten Firmware von DD-WRT heraus. Damit war es anschließend relativ einfach, das Legacy-System ohne Umbau oder zusätzlichen USB-Dongle anzuschließen.
Meine Überlegung sah wie folgt aus:
- auf dem Router installiere ich die aktuelle Version von DD-WRT- anschließend lässt sich der Router in einen Bridging-Modus schalten
- der Router verbindet sich per WLAN mit dem zentralen Access-Point, der auch die Internetverbindung verwaltet.
- das Legacy-Gerät wird an einen der LAN-Ports der neu entstandenen Bridge angeschlossen.
So eignet sich dieser Lösung nicht nur für Konsolen, etwa die Xbox oder der Nachfolger Xbox 360, sondern für sämtliche IP-basierten Geräte, beispielsweise einen Netzwerkdrucker oder einen älteren Rechner, der immer noch notwendig ist, den man aber wenn möglich nicht anfassen möchte.
Der Vorteil in diesem Szenario ist ganz klar, dass das eigentliche Gerät nicht angefasst werden muss. So ist es beispielsweise auch unerheblich, ob die alte Hardware aktuelle Verschlüsselungstechniken unterstützt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich auch andere Projekte gibt, etwa OpenWRT oder Sveasoft. Die Software ist zu immer Routern und Acces Points kompatibel, es muss nicht unbedingt Linksys sein.
Installation von DD-WRT
DD-WRT ist eins der vielen Custom-Firmware-Projekte, die rund um Linksys-Router entstanden sind. Mittlerweile unterstützt das Projekt nicht nur Linksys-Geräte, sondern eine große Auswahl an Produkten. So spart man sich unter Umständen den Kauf einer neuen Bridge oder haucht alter Hardware neue Funktionen ein. Eine komplette Liste aller Geräte finden Sie hier.
WICHTIG: Obwohl der Flash-Vorgang immer simpler wird, handeln Sie auf eigene Gefahr. Mit jeder dieser Custom-Firmwares können Sie unter Umständen Ihren Router nutzlos machen, zudem verlieren Sie eventuell Ihre Garantie.
Nachdem Sie die passende Version für Ihren Router gefunden haben, spielen Sie diese gemäß der Anleitung ein. Meist reicht es, die Software über das Webinterface hochzuladen, allerdings sollten Sie das per Kabel, nicht über WLAN machen. War die Installation erfolgreich, startet der Router neu und Sie haben Zugriff auf die neuen Funktionen.
Schritt 2: Anpassen der Einstellungen
Wir gehen für diesen Workshop davon aus, dass Sie bereits einen WLAN-Accesspoint im Betrieb haben und sich der neue Router nur mit diesem verbinden soll. Änderungen müssen praktischerweise auch nur am zweiten Router vorgenommen werden, Ihr normales Gerät wird nicht angetastet - ausgenommen wenn Sie einen MAC-Filter einsetzen, dann muss dieser natürlich um die MAC der künftigen Bridge erweitert werden.
Um ein sauberes System zu haben, sollten Sie zunächst den neuen Router auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen.
Im Bereich Basic Setup können sie die meisten Optionen deaktivieren. Selbst auf DHCP können Sie verzichten, das erledigt der Hauptrouter.
Alle wichtigen Informationen ändern Sie im Wireless-Bereich. Der notwendige Modus ist hier Client Bridge.
Alle anderen Daten geben Sie entsprechend Ihrer Netzwerkumgebung ein. Auch beim Thema WLAN-Sicherheit behandeln Sie den Router wie jedes anderer WLAN-Gerät. Tragen Sie hier passend die SSID sowie die Verschlüsselungsinformationen ein.
Speichern Sie die Einstellungen.
Noch ein Wort zur Sicherheit: WEP funktioniert zwar nahezu bei jedem Gerät, ist aber sicherheitstechnisch völlig ungenügend. Wählen Sie auf jeden Fall WPA. WPA2 könnte dagegen unter Umständen zuviel sein, manche Bastler melden einen Erfolg, andere können keine Verbindung aufbauen. Hier heißt es ausprobieren.
Der letzte Schritt ist mit der Wichtigste. Denn der Router muss noch von Hand in das WLAN-Netz eingefügt werden. Das geschieht im Menü Status, Unterpunkt Wireless.
Hier finden Sie den Punkt Site Survey. Klicken Sie auf den Button und ein PopUp mit den erkannten WLAN-Netzwerken sollte sich öffnen. Suchen Sie hier das passende WLAN und klicken Sie auf Join Site.
Prüfen Sie nun auf einem Endgerät, etwa einem Laptop, ob Sie kabelgebunden über die Bridge ins Internet gelangen, respektive eine passende IP erhalten. Sind Sie erfolgreich, sollten Sie im Bereich Administration noch ein Backup der Konfiguration herunterladen - sicher ist sicher.
Mögliche Fehlerquellen und -lösungen
Sollte das angeschlossene Gerät keine IP erhalten, prüfen Sie zunächst alle Einstellungen, ob diese korrekt sind, vor allem den Verschlüsselungs-Key. Wenn möglich, deaktivieren Sie die Verschlüsselung zum Test.
Prüfen Sie auch auf dem Haupt-Router, ob sich neue Geräte anmelden dürfen oder ob der MAC-Filter aktiv ist.
Ist das alles OK, müssen Sie unter Umständen im Menü Wireless Unterpunkt Advanced Settings den bei Authentication Type auf ändern, probieren Sie hier Auto oder Shared Key.
Möglicherweise gibt es auch Probleme, wenn mehrere Endgeräte an der Bridge hängen, allerdings gehen auch hier die Meinungen auseinander. Sollten Sie mehrere Geräte gleichzeitig betreiben wollen und Probleme auftreten, müssen Sie unter Umständen auf den Wireless Distribution Service (WDS) ausweichen. Diesen Modus müssen aber dann beide Router unterstützen. Mehr zu den Beschränkungen der Wireless Bridge finden Sie hier auf Englisch.
Fazit
Bei mir zuhause bin ich mittlerweile mit der Konsole zufrieden im Netz unterwegs. Ich habe Zugriff aufs Internet, ohne dass ich Patchkabel durch die Wohnung ziehen musste. Die Geschwindigkeit ist in Ordnung auch Ping-technisch kann die Lösung durchaus mithalten. Im Nachhinein habe ich mich noch mit Kollegen unterhalten, die sich den USB-Dongle gekauft haben. Über diesen scheint die Verbindung ab und zu abzubrechen oder zu laggen. Von da her hat sich der Workshop für mich in jedem Fall gelohnt.
Anhang: Weblinks
Hier noch einige passende Weblinks, die sich mit dem Thema auseinandersetzen oder weitere Informationen bieten:
TecChannel: Linksys-Router unter fremder Flagge
Bridging-Tutorial bei





